Lange Tage auf See
Wie sich herausstellte war das nicht irgendein Schiff, sondern die S.Y. Sylvia, eine Camper & Nicholson Ketsch, Baujahr 1925 und mit einer Laenge von 36.88m in der Klasse der Superyachten zu finden... Segeln wie damals, das meiste wurde von Hand betrieben, wir brauchten gut 6 Mann, um das Mizzensegel hoch zu ziehen. Es gab viel zu lernen, von Navigation bis Oelwechsel am Generator.
Die Crew war auch sehr spassig, die meisten waren Thailaender mit minimalen Englischkenntnissen, geschweige dann Deutsch. Bootseigner, Kapitaen und Firstmate waren alle Deutsch. Wir fuhren zu den entlegensten Inseln in der Andamansee zum Tauchen. Spaeter setzten wir dann zur Ueberfahrt ins Mittelmeer an. Unsere Stops waren in Indien, einer Hafenstadt namens Cochin und dann in Salalah Port in Oman, wo wir fuer 5 Tage waren.
Leider hat sich das Zusammenleben unserer Crew unter der Fuehrung vom Kapitaen als aeusserst schwierig erwiesen (Big Brother war ein Dreck dagegen). Ich kam oft an die Grenzen meiner Belastbarkeit. Ich war oft kurz davor, von Bord zu gehen, um Heim zu fliegen, raffte mich jedoch immer wieder auf. Nach gut 5 Wochen auf See kamen wir in Hurghada in Aegypten an. Dort erwarteten wir den Bootseigner fuer seine Osterferien. Wir waren in Aeqypten fuer gut 4 Wochen, dann ging es weiter nach Port Suez fuer Unterhaltsarbeiten, dann weiter nach Cypern. Ich war in dieser Zeit vermehrt in Kontak mit Karin, ich vermisste sie, seit wir uns letztes mal gesehen haben. Leider verbesserte sich die Situation mit dem Kapitaen nicht und einige Crewmitglieder hatten die Nase voll und verliessen das Schiff schon in Hurghada.
Ich wollte nochmals durchbeissen, mindestens bis nach Italien. Beim Zwischenstop in Malta telefonierte ich wieder mit Karin und musste erfahre, dass ihre Mutter ihrem langem Krebsleiden erlegen ist.
Der Fall war klar fuer mich. Ich musste unverzueglich nach Seattle reisen, um ihr beizustehen. Die Crew auf dem Boot unterstuetzte das und mein Job auf der Sylvia war mir sicher. Nach 3 Wochen war ich wieder zurueck auf der Yacht im Hafen von Porto St. Stephano in der Toskana. Nach meinem Besuch in Seattle war aber alles nicht mehr dasselbe. Ich vermisste Karin nun wirklich sehr, aber ihre Schule war immer noch nicht fertig. Ich wollte mich nun in Geduld ueben und warten, bis sie ihren Abschluss hat und sie dann mit auf Reisen nehmen. Nach gut 5 Wochen zuruck auf der Sylvia hielt auch ich das Klima nicht mehr aus. Ich packte meine sieben Sachen und setzte mich in den ersten Zug nach Zurich. Das war Juni 2001.