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Santa Suzana Hörbuch MP3
Artikelnummer: 9308014
Nun auch als MP-3 Hörbuch
14,95 €
Preis inkl. MwSt. und zzgl. Versandkosten
Santa Suzana Hörbuch MP3
SANTA SUZANA gibt es jetzt auch als Hörbuch!!!
Über acht Stunden blutiges Hörvergnügen!!!
Im Frühjahr 2008 veröffentlichte Gerry Esser in Eigenregie den ersten deutschsprachigen Surfpunkkrimi: SANTA SUZANA.
Über 1.100 verkaufte Bücher innerhalb eines Jahres und das ohne Verlag .......
Aufgrund vielfachen Wunsches wurde Anfang April 2009 damit begonnen, Santa Suzana als Hörbuch zu produzieren. Aufgenommen wurde in den Propeller-Studios in der Kölner Innenstadt, gesprochen wurde die gekürzte Hörbuchfassung von dem Film- und Theaterschauspieler Guido Renner.
Die CD-Releaseparty fand am 18.8.2009 in der Punkrockkneipe LOTTA, Karthäuserwall 12, Köln-Südstadt statt. Gefeiert wurde das Ganze mit einer ca. 45minutigen Lesung von Santa Suzana von Guido Renner, die von 4 Personen als Playbacktheater begleitet wurden.
Da wird sich der Autor mit Freundinnen schön zum Affen machen! Anschließend wird dem Publikum Gelegenheit gegeben, den Autor auf ein Bier einzuladen!
Komm vorbei!
Story Santa Suzana
Peter Schnabel, 35 Jahre alt, frustrierter Koch, alternder Punkrocker und leiden- schaftlicher Wellenreiter hat die Schnauze voll von seinem bisherigen Leben in Köln. Er vermietet sein WG- Zimmer und macht sich mit seinem alten VW-Bus nach Portugal auf, um dort mehrere Monate zu surfen und über sein Leben und die Ungerechtigkeiten der Welt nachzudenken. Auf halbem Wege, an der französischen Atlantikküste, nimmt er die merkwürdige Anhalterin Antonia Alves mit und ab diesem Zeitpunkt verwandelt sich seine Reise in einen blutigen Albtraum, der seinen Höhepunkt in der Punkrockkneipe Santa Suzana an der Algarve erfährt. Die Handlung spielt an der Atlantikküste in Frankreich, Spanien und Portugal und ist in das Surfer- und Punkrockmilieu eingebettet. Alkohol und Drogen, sowie ein bisschen Sex und Industriespionage, jawoll! Ein moderner und harter Kriminal-Roman, den es in dieser oder vergleichbarer Form noch nicht in der deutsprachigen Literatur gibt.
'Is he really the surfing anti-christ or just another ugly punk from köln-bauhaus?'
Der Familienlegende nach war Gerrys erster zusammenhängender Satz im Alter von drei Jahren: „Ich bin nicht komisch!“
Gerry Esser wurde 1965 in Jülich geboren, allerdings bereits im Kleinkindalter in die Vulkaneifel verschleppt. Herausragende Ereignisse in seiner frühen Kindheit und Jugend waren der 2. Platz bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im 50-Meter-Brustschwimmen (1976), sowie, ein Jahr später, ebenfalls ein 2. Platz beim Tischtennisturnier des St. Matthias Gymnasiums Gerolstein. Danach konnte es nur noch bergab gehen. 1984 flüchtete er aus der Eifel in die weite Welt, kam aber nur bis Köln. Unter dem Vorwand Studien zu betreiben, widmete er sich viele Jahre der Punkrockbewegung und spielte Bass in verschiedenen Bands (The Morons, Cologne City Rockers, Amy Beach). 1994 entdeckte er, neben Punkrock, das zweite Große Ding, das sein Leben verändern sollte: Das Wellenreiten. Wobei die Parallelen zwischen Punkrock und Wellenreiten nicht zu übersehen sind: Man verbringt viel Zeit mit Nichtstun, hängt rum, wartet auf dies und jenes und auch das Trinken kommt nicht zu kurz. Währenddessen unternahm er alles Mögliche, um sich zu ernähren; er arbeitete im Jugendzentrum, kellnerte in Kneipen, war Surflehrer in Frankreich und in Portugal und tatsächlich auch mal Tellerwäscher. Seit 2001 knechtet Gerry als Lichttechniker in der Veranstaltungsbranche, doch am liebsten fährt er nach wie vor in Urlaub, nach dem Motto: Nur ein freier Tag ist ein guter Tag!
Santa Suzana ist sein erster Roman. Die Idee zu dem Buch kam ihm, als er 2003 seinen Rentenbescheid bekam. Mit dem Surfpunkkrimi hofft er, endlich die dicke Kohle machen zu können.
Leseprobe
Elvis wackelte gelangweilt vor sich hin. Die schwarzweiße Puppe des King, die an einer dünnen Schnur vom Rückspiegel hing, verfolgte seit Stunden stoisch den Verlauf französischer Autobahnen und Landstraßen durch die Windschutzscheibe. Kurz hinter Poitiers hatte Peter die A 10 verlassen, um die restliche Autobahngebühr bis Spanien zu sparen. Die Route Nationale 10 war größtenteils immer noch zweispurig und gut ausgebaut, aber hin und wieder verengte sie sich durch Baustellen zu einem Fahrstreifen in jeder Richtung. Seit zwanzig Minuten folgte er nun schon in der Dunkelheit den Rücklichtern eines LKW mit spanischem Nummernschild, der offensichtlich Möbel aus Schweden transportierte und sich mühsam die Hügel hinaufkämpfte. Es regnete in Strömen; angestrengt schaufelten die Scheibenwischer die Regenfluten von einer Seite auf die andere, hinterließen halbkreisförmige Streifen auf der Scheibe. Er kannte die Strecke auswendig, schließlich fuhr er diese Route schon seit vielen Jahren. Und er hasste die Fahrerei seit vielen Jahren. Auch wenn die Fahrt Urlaub, Sonne, Strand und Meer versprach, hasste er das Herunterreißen der Kilometer, das nicht enden wollende Sitzen im Auto, die Monotonie der Autobahnen, die eingeschlafenen Beine. Wenn bloß endlich Belgien abgeschafft würde, dieses überflüssige kleine Scheißland, dass daran schuld war, dass selbst die französische Grenze drei Stunden Fahrt von Peters Zuhause entfernt war! Irgendwo in Frankreich, nichts ging mehr. "Die, die my darling!", schrien die Misfits aus den Boxen des alten VW- Busses und Peter fühlte sich dem Titel sehr verbunden. Seit sechzehn Stunden war er nun unterwegs, der Abschied gestern Abend und die Biere, die er unterwegs in sich hinein geschüttet hatte, zeigten ihre Wirkung. Die Horizontale der Straße verschob sich vor seinen Augen um dreißig Grad; seine Hände waren nass, kalter Schweiß klebte das T- Shirt am Rücken fest. Panikattacken schüttelten ihn. Wo ist denn der nächste Rastplatz?! Wo bleibt denn der verdammte nächste Rastplatz?, waren in der nächsten Viertelstunde seine verzweifelten Gedanken, während er sich vornübergebeugt an das Lenkrad klammerte und gegen das übermächtige Schwindelgefühl ankämpfte. Nicht, dass das seine erste Panikattacke gewesen wäre. Bereits vor einem Jahr hatte er auf der Brücke bei Lissabon eine solche Krise bekommen, dass er angehalten hatte und auf der linken Spur einfach stehen geblieben war. 150,- Euro Strafe, zuzüglich der Abschleppkosten, hatte es ihn damals gekostet, am Vorabend so viel getrunken zu haben. Mit letzter Kraft und schweren Augenlidern steuerte er den Wagen auf einen kleinen Parkplatz, bevor er in sich zusammensank. Das Gedröhne der Misfits war längst verstummt und das Autoradio gab ein starkes Rauschen, gemischt mit dem verzerrten Geplapper eines französischen Moderators von sich, als Peter wieder zu sich kam. Er krabbelte nach hinten zum Bett, schob das Surfbrett nach vorne und rollte Schlafsack und Decke aus. Während er die letzte Flasche des Sixpacks trank, nahm er sich das Zähne putzen und Gesicht waschen für den nächsten Morgen vor. Er konnte gerade noch den Joint ausdrücken, bevor ihm die Augen zufielen. Der gestrige Abend war, natürlich, ganz anders verlaufen als geplant. Mit den überaus löblichen Vorsätzen nicht viel zu trinken, sich für die morgige Fahrt zu schonen und früh ins Bett zu gehen, hatten Peters Füße fast nur zufällig den Weg zu seiner Stammkneipe gewählt. Einige Stunden später war er es allerdings, der als Letzter die Kneipe verließ, zum nächsten Laternenpfahl torkelte und seine Vorsätze in mehreren, übelriechenden Schwällen auf den Bürgersteig erbrach. Durch mehrmaliges Klopfen an den Bus wurde Peter geweckt. Er versuchte sich zu erinnern wo er war, wie weit er gestern noch gefahren war, nachdem er die Autobahn verlassen hatte. Irgendwo hinter Bordeaux, so viel stand fest. Es klopfte wieder an die Tür. Während er versuchte seine Gedanken zu ordnen, überlegte er, wer das sein könnte. Polizei war die wahrscheinlichste, wenn auch nicht attraktivste Möglichkeit. Peter setzte sich auf und versuchte unauffällig nach draußen zu linsen, ohne sich bei der Bewegung übergeben zu müssen. Es schien noch früh am Morgen zu sein, die Fenster des Busses waren mit Feuchtigkeit beschlagen, ein feiner Nebelschleier lag über dem Parkplatz. Vor dem Bus stand eine junge, dunkelhaarige Frau, schätzungsweise Ende zwanzig, die gerade ein weiteres Mal die Hand hob um gegen den Bus zu klopfen. "Bon jour", krächzte er der Frau von innen entgegen, während er versuchte, seine halblangen blonden Haare mit den Händen zu entwirren. "Guten Morgen. Wir können auch deutsch mit einander reden", erwiderte die Frau, als er die Schiebetür mit einem lautem Quietschen öffnete. "Tut mir leid, wenn ich Sie gerade geweckt habe, aber es ist leider wirklich dringend: Haben Sie ein Handy? Ich habe eine Panne und muss den Automobilclub anrufen." Ihr Deutsch war fast akzentfrei, auch wenn Peter meinte, eine fremdsprachige Färbung in ihrer Stimme zu vernehmen. "Ich habe natürlich selber ein Handy, aber mein Akku ist leer. Ausgerechnet jetzt." Die Frau zuckte fatalistisch mit den Achseln. Peter ließ den Blick über den Parkplatz schweifen. In einiger Entfernung stand als einziges Fahrzeug ein blauer VW Golf einsam auf der Parkfläche. "Tut mir leid, nein, hab ich nicht", erwiderte er, sie nun genauer betrachtend. Von mittlerer Größe und schlank, trug sie eine schwarze Stoffhose, eine weiße Bluse mit Rüschen, darüber eine schwarze, ärmellose Weste, Goldkette um den Hals, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Brrr! Eigentlich gar nicht mal hässlich, konnte Peter es trotzdem nicht verhindern, dass er sich innerlich schüttelte. Toleranz ist ja schön und gut, hat aber auch ihre Grenzen. "Nein, bedaure", sagte er noch einmal, sich plötzlich seines eigenen Aussehens in Boxershorts und zerrissenem T- Shirt bewusst werdend, was ihn bei dieser Frau aber auch nicht weiter störte. "Hoffentlich kommt bald ein anderes Auto", sagte die Frau und betrachtete misstrauisch die tätowierte Schlange, die sich Peters Arm hinunter wand. "Ich bin schon spät dran und es ist wirklich sehr wichtig, dass ich so schnell wie möglich nach San Sebastian komme." "Wollen wir mal hoffen", murmelte Peter vor sich hin, während er sich abwandte und eine, an den Knien abgeschnittene, schwarze Jeans anzog. Zahnpasta in der einen, Zahnbürste in der anderen Hand wollte er gerade den Bus abschließen, als die Frau ihn erneut ansprach: "Sie fahren nicht zufällig nach San Sebastian, oder?" Der Dieselmotor rasselte laut vor sich hin, als der VW- Bus den Kampf mit der Straße wieder aufnahm. Antipathie hin oder her, Peter hatte es nicht über sich gebracht, die Frau auf dem Parkplatz stehen zu lassen. Nachdem er aus dem kleinen, stinkigen Toilettenhäuschen zurückgekommen war, hatte er ihr beim Umladen eines grauen Koffers in den Bus geholfen und, um das Zittern seiner Hände zu beruhigen, heimlich einen tiefen und erlösenden Schluck aus der großen Jägermeisterflasche genommen. Bayonne zog an der A 10 an ihnen vorbei als sie sich förmlich vorstellte: “Antonia Alves. Ich komme aus Hamburg.”, fügte sie noch hin zu, während ihre Hände nervös an dem Griff ihrer Handtasche nestelten. "Verwandt mit Alex Alves, dem Fußballspieler? Hahaha... Mein Name ist Peter, Köln- Nippes", entgegnete er. "Auf dem Weg nach Peniche, das liegt in Portugal." "Kann es eigentlich sein, dass ich Sie schon mal irgendwo gesehen habe? Vielleicht im Fernsehen oder in einer Zeitung", fragte sie. "Sie kommen mir irgendwie bekannt vor. Sind Sie Schauspieler oder Musiker, oder so etwas?" Peter verneinte kopfschüttelnd: "Nein, überhaupt nicht. Ist aber nicht das erste Mal, dass Leute meinen, ich sähe jemandem ähnlich." Er sah sie kurz an, bevor er den Blick wieder auf die Straße richtete. "Ich denke, wir können uns aber auch duzen. Altersmäßig sind wir ja nicht so weit von einander entfernt." "Nein, bitte nicht, sein Sie mir nicht böse. Ältere Menschen..." "Vielen Dank", fiel Peter ihr ins Wort und gähnte hinter vorgehaltener Hand ausgiebig. "Ich meine, Menschen die älter sind als ich und die ich nicht näher kenne, möchte ich dann doch lieber mit Sie anreden", beharrte Antonia eigensinnig. Blöde Kuh. Glücklicherweise war es nicht mehr weit bis San Sebastian. Während es zunehmend hügeliger wurde und sich grüne Weiden und die ersten Pyrenäenausläufer zeigten, versuchte er ein weiteres Mal ein Gespräch: "Und von wo kommen Sie gerade? Ich meine, Sie sprechen super deutsch, aber einen kleinen Akzent haben Sie wohl doch." "Gebürtig bin ich aus Hamburg. Meine Mutter ist aber Baskin und so sind wir vor mehr als fünfzehn Jahren nach San Sebastian gezogen. Aber ich lebe wieder in Hamburg." "Und was treibt Sie jetzt so eilig nach Hause?" "Privat; familiär", entgegnete sie nur knapp. "Im Übrigen wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie jetzt aufhören würden mich auszufragen und dafür etwas schneller fahren könnten. Und diese furchtbare Musik”, sie unterbrach sich kurz und zeigte auf den CD- Player in dem die Ramones munter musizierten, "können wir die nicht ausmachen?" "Hören Sie mal..., sonst gehts Ihnen aber gut, ja? Wenn Ihnen was nicht passt, können Sie jederzeit wieder aussteigen. Gar kein Problem." Antonia Alves zog es vor zu schweigen und aus dem Fenster zu blicken. "An der ersten Abzweigung in San Sebastian setze ich Sie ab." Er warf ihr einen bösen Blick zu, indes sie intensiv die Kühe auf einer nahe gelegenen Weide studierte. Während er auf dem Boden zwischen den Sitzen in einer Plastikkiste nach einer neuen CD suchte, dachte er kurz darüber nach, ob es eine weibliche Form von Idiot gab. Idiotin? Die nächsten dreißig Minuten verliefen, abgesehen von der Musik der Trashmen, die er absichtlich noch ein bisschen lauter gedreht hatte, ohne Unterhaltung, bis sie die französisch- spanische Grenze bei Irun überquerten. "Es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie mich noch bis in die Nähe meiner Wohnung fahren könnten. Wegen des Koffers," sagte Antonia Alves. "Dann habe ich aber auch einen Wunsch", sagte Peter und blickte sie herausfordernd an. "Kann ich mal bei Ihnen duschen? Ich stinke nämlich wie ein Buckeltier." "Nein, ausgeschlossen! Das geht nicht", schoss es spontan aus ihr heraus. Schweigen. Sie schien eine Weile nach zu denken und sah wieder aus dem Fenster, bevor sie sagte: "Das passt mir eigentlich gar nicht." Erneutes Schweigen. "Obwohl,....nun gut, wer weiß...," sie sah ihn ernst von der Seite an. Es begann leicht zu nieseln, als sie ihn durch San Sebastian lotste; erst durch die Vororte, dann durch die Innenstadt, bis sie rechts abbogen, den Fluss Urumea überquerten und den Stadtteil Gros erreichten. Peter war auf einem früheren Surftrip, vor ein paar Jahren, bereits am Strand von Gros gewesen und damals nur um Haaresbreite einer Schlägerei mit ein paar einheimischen Surfern entgangen, die meinten, ihren Hausstrand vor Fremden verteidigen zu müssen. Als Ausgleich dafür hatte er, als er frustriert vom Strand zurück kam, eine Parkkralle an seinem Bus vorgefunden. Aber ansonsten: Tolle Stadt, dieses San Sebastian! "So, hier ist es," sagte Antonia, als sie in eine kleine Seitenstraße einbogen. Sie hielten vor einem heruntergekommenen viergeschössigen Altbau und erstaunlicher Weise fand sich bereits nach kurzer Zeit ein Parkplatz auf der anderen Straßenseite, für den Peter diesmal sicherheitshalber zwei Euro für eine Stunde am Parkautomat einwarf. Er suchte im hinteren Teil des Busses gerade sein Duschzeug zusammen, als Antonia plötzlich ein lautes: "Mierda!" vom Beifahrersitz von sich gab. "Was ist los?", erkundigte er sich und steckte den Kopf nach vorne in die Fahrerkabine. "Nichts", erwiderte Antonia, während sie den Inhalt ihrer Handtasche im Fußraum zusammen suchte. "Die Tasche ist kaputt und geht immer wieder auf. Wird Zeit, dass ich mir mal eine Neue kaufe." Während Peter sich achselzuckend abwandte und in den Fächern des Busses nach einem Handtuch kramte, sammelte Antonia weiter ihre Sachen ein und packte sie wieder in ihre Handtasche. Als er schließlich die Schiebetür öffnete, wartete Antonia bereits ungeduldig auf dem Bürgersteig und sah zu dem Haus hoch. "Los jetzt, den Koffer `raus!" In dem dämmrigen Hausflur, der gewiss ein mal bessere Zeiten gesehen hatte, roch es nach Desinfektionsmitteln, als sie drei Stockwerke nach oben stiegen, wobei Peter die Rolle des Kofferträgers übernommen hatte. Natürlich war der Aufzug wegen Wartungsarbeiten vorübergehend außer Betrieb. Das kann ja wohl wahr nicht sein, bin ich bescheuert!, dachte er, schwer keuchend, bei jedem Treppenabsatz, jetzt trage ich der Ziege auch noch den Koffer nach oben. Vor einer dunklen, massiven Holztür blieb Antonia stehen und suchte den Schlüsselbund aus ihrer Handtasche hervor. "Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, das mit dem Fahren....und jetzt auch mit dem Koffer", meinte sie und sah an ihm vorbei. Um Atem ringend und einem Kreislaufkollaps nahe, nickte Peter nur und lehnte sich Halt suchend gegen die Wand. Es war eine dunkle, altmodisch eingerichtete Wohnung in die sie eintraten. Links und rechts eines langen Ganges gingen jeweils zwei Zimmer ab, bis sie an dessen Ende einen größeren Raum betraten, bei dem es sich offensichtlich um dass Wohnzimmer handelte. Eine Sitzgruppe aus einem Sofa, auf dem sich ein paar Kissen rumlümmelten, zwei Sesseln und einem Tisch mit weißer Häkeldecke bestehend, ein Fernseher, so wie ein paar gerahmte Fotografien an den Wänden schmückten den Raum. Peter ging zu den Fotografien und betrachtete sie. Familienszenen in schwarzweiß und bunt, offensichtlich vor langer Zeit aufgenommen: Frau mit zwei kleinen Mädchen, Mann mit Mädchen, Frau und Mann, nur Mädchen, nur Frau (mit Weinflasche im Liegestuhl), nur Mann ( mit Angel). Letzteres Bild mit schwarzem Trauerflor dekoriert. Aha. Die ganze Wohnung wirkte ziemlich unaufgeräumt, zudem schien hier seit Ewigkeiten nicht mehr renoviert worden zu sein. Auf dem Tisch lag ein weißer Briefumschlag auf dem in großen, etwas ungelenken Druckbuchstaben Antonias Name geschrieben stand. Hastig eilte Antonia dorthin, riss ihn auf und überflog die Zeilen. "Oh nein, NEIN!", entfuhr es ihr. "Ich bin zu spät gekommen!", worauf sie in einen Sessel sank und ihr Gesicht mit den Händen bedeckte. "Entschuldigung, wo ist denn jetzt die Dusche?", fragte Peter.
Peter Schnabel, 35 Jahre alt, frustrierter Koch, alternder Punkrocker und leiden- schaftlicher Wellenreiter hat die Schnauze voll von seinem bisherigen Leben in Köln. Er vermietet sein WG- Zimmer und macht sich mit seinem alten VW-Bus nach Portugal auf, um dort mehrere Monate zu surfen und über sein Leben und die Ungerechtigkeiten der Welt nachzudenken. Auf halbem Wege, an der französischen Atlantikküste, nimmt er die merkwürdige Anhalterin Antonia Alves mit und ab diesem Zeitpunkt verwandelt sich seine Reise in einen blutigen Albtraum, der seinen Höhepunkt in der Punkrockkneipe Santa Suzana an der Algarve erfährt. Die Handlung spielt an der Atlantikküste in Frankreich, Spanien und Portugal und ist in das Surfer- und Punkrockmilieu eingebettet. Alkohol und Drogen, sowie ein bisschen Sex und Industriespionage, jawoll! Ein moderner und harter Kriminal-Roman, den es in dieser oder vergleichbarer Form noch nicht in der deutsprachigen Literatur gibt.
'Is he really the surfing anti-christ or just another ugly punk from köln-bauhaus?'
Der Familienlegende nach war Gerrys erster zusammenhängender Satz im Alter von drei Jahren: „Ich bin nicht komisch!“
Gerry Esser wurde 1965 in Jülich geboren, allerdings bereits im Kleinkindalter in die Vulkaneifel verschleppt. Herausragende Ereignisse in seiner frühen Kindheit und Jugend waren der 2. Platz bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im 50-Meter-Brustschwimmen (1976), sowie, ein Jahr später, ebenfalls ein 2. Platz beim Tischtennisturnier des St. Matthias Gymnasiums Gerolstein. Danach konnte es nur noch bergab gehen. 1984 flüchtete er aus der Eifel in die weite Welt, kam aber nur bis Köln. Unter dem Vorwand Studien zu betreiben, widmete er sich viele Jahre der Punkrockbewegung und spielte Bass in verschiedenen Bands (The Morons, Cologne City Rockers, Amy Beach). 1994 entdeckte er, neben Punkrock, das zweite Große Ding, das sein Leben verändern sollte: Das Wellenreiten. Wobei die Parallelen zwischen Punkrock und Wellenreiten nicht zu übersehen sind: Man verbringt viel Zeit mit Nichtstun, hängt rum, wartet auf dies und jenes und auch das Trinken kommt nicht zu kurz. Währenddessen unternahm er alles Mögliche, um sich zu ernähren; er arbeitete im Jugendzentrum, kellnerte in Kneipen, war Surflehrer in Frankreich und in Portugal und tatsächlich auch mal Tellerwäscher. Seit 2001 knechtet Gerry als Lichttechniker in der Veranstaltungsbranche, doch am liebsten fährt er nach wie vor in Urlaub, nach dem Motto: Nur ein freier Tag ist ein guter Tag!
Santa Suzana ist sein erster Roman. Die Idee zu dem Buch kam ihm, als er 2003 seinen Rentenbescheid bekam. Mit dem Surfpunkkrimi hofft er, endlich die dicke Kohle machen zu können.
Leseprobe
Elvis wackelte gelangweilt vor sich hin. Die schwarzweiße Puppe des King, die an einer dünnen Schnur vom Rückspiegel hing, verfolgte seit Stunden stoisch den Verlauf französischer Autobahnen und Landstraßen durch die Windschutzscheibe. Kurz hinter Poitiers hatte Peter die A 10 verlassen, um die restliche Autobahngebühr bis Spanien zu sparen. Die Route Nationale 10 war größtenteils immer noch zweispurig und gut ausgebaut, aber hin und wieder verengte sie sich durch Baustellen zu einem Fahrstreifen in jeder Richtung. Seit zwanzig Minuten folgte er nun schon in der Dunkelheit den Rücklichtern eines LKW mit spanischem Nummernschild, der offensichtlich Möbel aus Schweden transportierte und sich mühsam die Hügel hinaufkämpfte. Es regnete in Strömen; angestrengt schaufelten die Scheibenwischer die Regenfluten von einer Seite auf die andere, hinterließen halbkreisförmige Streifen auf der Scheibe. Er kannte die Strecke auswendig, schließlich fuhr er diese Route schon seit vielen Jahren. Und er hasste die Fahrerei seit vielen Jahren. Auch wenn die Fahrt Urlaub, Sonne, Strand und Meer versprach, hasste er das Herunterreißen der Kilometer, das nicht enden wollende Sitzen im Auto, die Monotonie der Autobahnen, die eingeschlafenen Beine. Wenn bloß endlich Belgien abgeschafft würde, dieses überflüssige kleine Scheißland, dass daran schuld war, dass selbst die französische Grenze drei Stunden Fahrt von Peters Zuhause entfernt war! Irgendwo in Frankreich, nichts ging mehr. "Die, die my darling!", schrien die Misfits aus den Boxen des alten VW- Busses und Peter fühlte sich dem Titel sehr verbunden. Seit sechzehn Stunden war er nun unterwegs, der Abschied gestern Abend und die Biere, die er unterwegs in sich hinein geschüttet hatte, zeigten ihre Wirkung. Die Horizontale der Straße verschob sich vor seinen Augen um dreißig Grad; seine Hände waren nass, kalter Schweiß klebte das T- Shirt am Rücken fest. Panikattacken schüttelten ihn. Wo ist denn der nächste Rastplatz?! Wo bleibt denn der verdammte nächste Rastplatz?, waren in der nächsten Viertelstunde seine verzweifelten Gedanken, während er sich vornübergebeugt an das Lenkrad klammerte und gegen das übermächtige Schwindelgefühl ankämpfte. Nicht, dass das seine erste Panikattacke gewesen wäre. Bereits vor einem Jahr hatte er auf der Brücke bei Lissabon eine solche Krise bekommen, dass er angehalten hatte und auf der linken Spur einfach stehen geblieben war. 150,- Euro Strafe, zuzüglich der Abschleppkosten, hatte es ihn damals gekostet, am Vorabend so viel getrunken zu haben. Mit letzter Kraft und schweren Augenlidern steuerte er den Wagen auf einen kleinen Parkplatz, bevor er in sich zusammensank. Das Gedröhne der Misfits war längst verstummt und das Autoradio gab ein starkes Rauschen, gemischt mit dem verzerrten Geplapper eines französischen Moderators von sich, als Peter wieder zu sich kam. Er krabbelte nach hinten zum Bett, schob das Surfbrett nach vorne und rollte Schlafsack und Decke aus. Während er die letzte Flasche des Sixpacks trank, nahm er sich das Zähne putzen und Gesicht waschen für den nächsten Morgen vor. Er konnte gerade noch den Joint ausdrücken, bevor ihm die Augen zufielen. Der gestrige Abend war, natürlich, ganz anders verlaufen als geplant. Mit den überaus löblichen Vorsätzen nicht viel zu trinken, sich für die morgige Fahrt zu schonen und früh ins Bett zu gehen, hatten Peters Füße fast nur zufällig den Weg zu seiner Stammkneipe gewählt. Einige Stunden später war er es allerdings, der als Letzter die Kneipe verließ, zum nächsten Laternenpfahl torkelte und seine Vorsätze in mehreren, übelriechenden Schwällen auf den Bürgersteig erbrach. Durch mehrmaliges Klopfen an den Bus wurde Peter geweckt. Er versuchte sich zu erinnern wo er war, wie weit er gestern noch gefahren war, nachdem er die Autobahn verlassen hatte. Irgendwo hinter Bordeaux, so viel stand fest. Es klopfte wieder an die Tür. Während er versuchte seine Gedanken zu ordnen, überlegte er, wer das sein könnte. Polizei war die wahrscheinlichste, wenn auch nicht attraktivste Möglichkeit. Peter setzte sich auf und versuchte unauffällig nach draußen zu linsen, ohne sich bei der Bewegung übergeben zu müssen. Es schien noch früh am Morgen zu sein, die Fenster des Busses waren mit Feuchtigkeit beschlagen, ein feiner Nebelschleier lag über dem Parkplatz. Vor dem Bus stand eine junge, dunkelhaarige Frau, schätzungsweise Ende zwanzig, die gerade ein weiteres Mal die Hand hob um gegen den Bus zu klopfen. "Bon jour", krächzte er der Frau von innen entgegen, während er versuchte, seine halblangen blonden Haare mit den Händen zu entwirren. "Guten Morgen. Wir können auch deutsch mit einander reden", erwiderte die Frau, als er die Schiebetür mit einem lautem Quietschen öffnete. "Tut mir leid, wenn ich Sie gerade geweckt habe, aber es ist leider wirklich dringend: Haben Sie ein Handy? Ich habe eine Panne und muss den Automobilclub anrufen." Ihr Deutsch war fast akzentfrei, auch wenn Peter meinte, eine fremdsprachige Färbung in ihrer Stimme zu vernehmen. "Ich habe natürlich selber ein Handy, aber mein Akku ist leer. Ausgerechnet jetzt." Die Frau zuckte fatalistisch mit den Achseln. Peter ließ den Blick über den Parkplatz schweifen. In einiger Entfernung stand als einziges Fahrzeug ein blauer VW Golf einsam auf der Parkfläche. "Tut mir leid, nein, hab ich nicht", erwiderte er, sie nun genauer betrachtend. Von mittlerer Größe und schlank, trug sie eine schwarze Stoffhose, eine weiße Bluse mit Rüschen, darüber eine schwarze, ärmellose Weste, Goldkette um den Hals, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Brrr! Eigentlich gar nicht mal hässlich, konnte Peter es trotzdem nicht verhindern, dass er sich innerlich schüttelte. Toleranz ist ja schön und gut, hat aber auch ihre Grenzen. "Nein, bedaure", sagte er noch einmal, sich plötzlich seines eigenen Aussehens in Boxershorts und zerrissenem T- Shirt bewusst werdend, was ihn bei dieser Frau aber auch nicht weiter störte. "Hoffentlich kommt bald ein anderes Auto", sagte die Frau und betrachtete misstrauisch die tätowierte Schlange, die sich Peters Arm hinunter wand. "Ich bin schon spät dran und es ist wirklich sehr wichtig, dass ich so schnell wie möglich nach San Sebastian komme." "Wollen wir mal hoffen", murmelte Peter vor sich hin, während er sich abwandte und eine, an den Knien abgeschnittene, schwarze Jeans anzog. Zahnpasta in der einen, Zahnbürste in der anderen Hand wollte er gerade den Bus abschließen, als die Frau ihn erneut ansprach: "Sie fahren nicht zufällig nach San Sebastian, oder?" Der Dieselmotor rasselte laut vor sich hin, als der VW- Bus den Kampf mit der Straße wieder aufnahm. Antipathie hin oder her, Peter hatte es nicht über sich gebracht, die Frau auf dem Parkplatz stehen zu lassen. Nachdem er aus dem kleinen, stinkigen Toilettenhäuschen zurückgekommen war, hatte er ihr beim Umladen eines grauen Koffers in den Bus geholfen und, um das Zittern seiner Hände zu beruhigen, heimlich einen tiefen und erlösenden Schluck aus der großen Jägermeisterflasche genommen. Bayonne zog an der A 10 an ihnen vorbei als sie sich förmlich vorstellte: “Antonia Alves. Ich komme aus Hamburg.”, fügte sie noch hin zu, während ihre Hände nervös an dem Griff ihrer Handtasche nestelten. "Verwandt mit Alex Alves, dem Fußballspieler? Hahaha... Mein Name ist Peter, Köln- Nippes", entgegnete er. "Auf dem Weg nach Peniche, das liegt in Portugal." "Kann es eigentlich sein, dass ich Sie schon mal irgendwo gesehen habe? Vielleicht im Fernsehen oder in einer Zeitung", fragte sie. "Sie kommen mir irgendwie bekannt vor. Sind Sie Schauspieler oder Musiker, oder so etwas?" Peter verneinte kopfschüttelnd: "Nein, überhaupt nicht. Ist aber nicht das erste Mal, dass Leute meinen, ich sähe jemandem ähnlich." Er sah sie kurz an, bevor er den Blick wieder auf die Straße richtete. "Ich denke, wir können uns aber auch duzen. Altersmäßig sind wir ja nicht so weit von einander entfernt." "Nein, bitte nicht, sein Sie mir nicht böse. Ältere Menschen..." "Vielen Dank", fiel Peter ihr ins Wort und gähnte hinter vorgehaltener Hand ausgiebig. "Ich meine, Menschen die älter sind als ich und die ich nicht näher kenne, möchte ich dann doch lieber mit Sie anreden", beharrte Antonia eigensinnig. Blöde Kuh. Glücklicherweise war es nicht mehr weit bis San Sebastian. Während es zunehmend hügeliger wurde und sich grüne Weiden und die ersten Pyrenäenausläufer zeigten, versuchte er ein weiteres Mal ein Gespräch: "Und von wo kommen Sie gerade? Ich meine, Sie sprechen super deutsch, aber einen kleinen Akzent haben Sie wohl doch." "Gebürtig bin ich aus Hamburg. Meine Mutter ist aber Baskin und so sind wir vor mehr als fünfzehn Jahren nach San Sebastian gezogen. Aber ich lebe wieder in Hamburg." "Und was treibt Sie jetzt so eilig nach Hause?" "Privat; familiär", entgegnete sie nur knapp. "Im Übrigen wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie jetzt aufhören würden mich auszufragen und dafür etwas schneller fahren könnten. Und diese furchtbare Musik”, sie unterbrach sich kurz und zeigte auf den CD- Player in dem die Ramones munter musizierten, "können wir die nicht ausmachen?" "Hören Sie mal..., sonst gehts Ihnen aber gut, ja? Wenn Ihnen was nicht passt, können Sie jederzeit wieder aussteigen. Gar kein Problem." Antonia Alves zog es vor zu schweigen und aus dem Fenster zu blicken. "An der ersten Abzweigung in San Sebastian setze ich Sie ab." Er warf ihr einen bösen Blick zu, indes sie intensiv die Kühe auf einer nahe gelegenen Weide studierte. Während er auf dem Boden zwischen den Sitzen in einer Plastikkiste nach einer neuen CD suchte, dachte er kurz darüber nach, ob es eine weibliche Form von Idiot gab. Idiotin? Die nächsten dreißig Minuten verliefen, abgesehen von der Musik der Trashmen, die er absichtlich noch ein bisschen lauter gedreht hatte, ohne Unterhaltung, bis sie die französisch- spanische Grenze bei Irun überquerten. "Es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie mich noch bis in die Nähe meiner Wohnung fahren könnten. Wegen des Koffers," sagte Antonia Alves. "Dann habe ich aber auch einen Wunsch", sagte Peter und blickte sie herausfordernd an. "Kann ich mal bei Ihnen duschen? Ich stinke nämlich wie ein Buckeltier." "Nein, ausgeschlossen! Das geht nicht", schoss es spontan aus ihr heraus. Schweigen. Sie schien eine Weile nach zu denken und sah wieder aus dem Fenster, bevor sie sagte: "Das passt mir eigentlich gar nicht." Erneutes Schweigen. "Obwohl,....nun gut, wer weiß...," sie sah ihn ernst von der Seite an. Es begann leicht zu nieseln, als sie ihn durch San Sebastian lotste; erst durch die Vororte, dann durch die Innenstadt, bis sie rechts abbogen, den Fluss Urumea überquerten und den Stadtteil Gros erreichten. Peter war auf einem früheren Surftrip, vor ein paar Jahren, bereits am Strand von Gros gewesen und damals nur um Haaresbreite einer Schlägerei mit ein paar einheimischen Surfern entgangen, die meinten, ihren Hausstrand vor Fremden verteidigen zu müssen. Als Ausgleich dafür hatte er, als er frustriert vom Strand zurück kam, eine Parkkralle an seinem Bus vorgefunden. Aber ansonsten: Tolle Stadt, dieses San Sebastian! "So, hier ist es," sagte Antonia, als sie in eine kleine Seitenstraße einbogen. Sie hielten vor einem heruntergekommenen viergeschössigen Altbau und erstaunlicher Weise fand sich bereits nach kurzer Zeit ein Parkplatz auf der anderen Straßenseite, für den Peter diesmal sicherheitshalber zwei Euro für eine Stunde am Parkautomat einwarf. Er suchte im hinteren Teil des Busses gerade sein Duschzeug zusammen, als Antonia plötzlich ein lautes: "Mierda!" vom Beifahrersitz von sich gab. "Was ist los?", erkundigte er sich und steckte den Kopf nach vorne in die Fahrerkabine. "Nichts", erwiderte Antonia, während sie den Inhalt ihrer Handtasche im Fußraum zusammen suchte. "Die Tasche ist kaputt und geht immer wieder auf. Wird Zeit, dass ich mir mal eine Neue kaufe." Während Peter sich achselzuckend abwandte und in den Fächern des Busses nach einem Handtuch kramte, sammelte Antonia weiter ihre Sachen ein und packte sie wieder in ihre Handtasche. Als er schließlich die Schiebetür öffnete, wartete Antonia bereits ungeduldig auf dem Bürgersteig und sah zu dem Haus hoch. "Los jetzt, den Koffer `raus!" In dem dämmrigen Hausflur, der gewiss ein mal bessere Zeiten gesehen hatte, roch es nach Desinfektionsmitteln, als sie drei Stockwerke nach oben stiegen, wobei Peter die Rolle des Kofferträgers übernommen hatte. Natürlich war der Aufzug wegen Wartungsarbeiten vorübergehend außer Betrieb. Das kann ja wohl wahr nicht sein, bin ich bescheuert!, dachte er, schwer keuchend, bei jedem Treppenabsatz, jetzt trage ich der Ziege auch noch den Koffer nach oben. Vor einer dunklen, massiven Holztür blieb Antonia stehen und suchte den Schlüsselbund aus ihrer Handtasche hervor. "Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, das mit dem Fahren....und jetzt auch mit dem Koffer", meinte sie und sah an ihm vorbei. Um Atem ringend und einem Kreislaufkollaps nahe, nickte Peter nur und lehnte sich Halt suchend gegen die Wand. Es war eine dunkle, altmodisch eingerichtete Wohnung in die sie eintraten. Links und rechts eines langen Ganges gingen jeweils zwei Zimmer ab, bis sie an dessen Ende einen größeren Raum betraten, bei dem es sich offensichtlich um dass Wohnzimmer handelte. Eine Sitzgruppe aus einem Sofa, auf dem sich ein paar Kissen rumlümmelten, zwei Sesseln und einem Tisch mit weißer Häkeldecke bestehend, ein Fernseher, so wie ein paar gerahmte Fotografien an den Wänden schmückten den Raum. Peter ging zu den Fotografien und betrachtete sie. Familienszenen in schwarzweiß und bunt, offensichtlich vor langer Zeit aufgenommen: Frau mit zwei kleinen Mädchen, Mann mit Mädchen, Frau und Mann, nur Mädchen, nur Frau (mit Weinflasche im Liegestuhl), nur Mann ( mit Angel). Letzteres Bild mit schwarzem Trauerflor dekoriert. Aha. Die ganze Wohnung wirkte ziemlich unaufgeräumt, zudem schien hier seit Ewigkeiten nicht mehr renoviert worden zu sein. Auf dem Tisch lag ein weißer Briefumschlag auf dem in großen, etwas ungelenken Druckbuchstaben Antonias Name geschrieben stand. Hastig eilte Antonia dorthin, riss ihn auf und überflog die Zeilen. "Oh nein, NEIN!", entfuhr es ihr. "Ich bin zu spät gekommen!", worauf sie in einen Sessel sank und ihr Gesicht mit den Händen bedeckte. "Entschuldigung, wo ist denn jetzt die Dusche?", fragte Peter.
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